Folge 3_Tanja Major
Shownotes
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Transkript anzeigen
00:00:05: kaffee.com Gespräche über Kunst.
00:00:09: Hallo!
00:00:10: Ich bin's, das Kaffee.com Ein Café und zugleich Kunstraum.
00:00:16: Vielleicht kennst du mich ja schon?
00:00:19: Vom Kaffee holen vom Blick in den Hof oder von einem stillen Moment vor einem Bild an der Wand.
00:00:26: ich bin ein Ort, an dem man auf einen Kaffe hereinkommt und plötzlich zwischen Kunstwerken steht.
00:00:33: Manche meiner Gäste bleiben kurz andere länger.
00:00:37: Manche schauen bewusst, andere eher nebenbei.
00:00:42: und genau das mag ich in meinem Raum wechseln die Ausstellung.
00:00:47: mit jeder neuen Position
00:00:49: verändert sich etwas Die Stimmung,
00:00:52: die Gespräche der Blick auf die Wände.
00:00:55: hier hängen Arbeiten von Künstlerinnen mit ganz unterschiedlichen Haltungen Fragen und Perspektiven Und oft passiert dabei etwas.
00:01:05: man sieht ein Werk Spürt, dass da mehr ist aber nicht alles erschließt sich sofort.
00:01:11: Zwischen dem was sie hängt
00:01:13: und
00:01:13: dem was die Künstlerinnen dabei gedacht gefühlt oder vielleicht auch verwurfen
00:01:18: haben entsteht
00:01:20: manchmal eine kleine Lücke Nicht aus Absicht sondern weil Kunst nicht alles auf einmal preisgibt.
00:01:28: Genau hier setzt dieser Podcast an.
00:01:32: café.com Gespräche über
00:01:34: Kunst Ist eine
00:01:35: Einladung diese Lücke gemeinsam zu schließen.
00:01:39: Keine Vorlesung, keine Theorie.
00:01:42: Er ein langsamer Rundgang so wie man ihn bei einer Venisage macht Man bleibt stehen stellt Fragen wird zu.
00:01:52: Ich spreche mit den KünstlerInnen über ihre Arbeiten, über Prozesse Zweifel Entscheidungen und Umwege Über das was Sicht weist Und über das was man nicht sofort sieht.
00:02:05: Die Fragen orientieren sich an der Ausstellung lassen aber Raum für Abschweifungen, Geschichten und Gedanken die sonst vielleicht verloren gehen würden.
00:02:15: Dieser Podcast ist für alle die wegen des Cafés kommen und wegen der Kunst bleiben!
00:02:21: Für Neugierige?
00:02:22: Für Kunstinteressierte Und für jene die sich einfach einen persönlichen Zugang
00:02:27: wünschen.
00:02:29: Schön
00:02:30: dass du da bist.
00:02:32: Lass uns gemeinsam eine Runde durch die Ausstellung drehen.
00:02:38: Hallo liebe Tanya.
00:02:41: Liebe
00:02:41: Tanya
00:02:42: Wenn man deine Arbeiten betrachtet, hat man fast das Gefühl sie leben noch.
00:02:47: Wann hast du zum ersten Mal gemerkt dass Pilze für dich mehr als nur Material sind?
00:02:53: Also ich habe vor ein paar Jahren in Frankfurt an der Goethe-Universität bei der Frau Professor Piepenbrink die leitet dort die Mykologie ein paar Fachberatermodule besucht.
00:03:12: Dort haben wir sehr viel mikroskopiert.
00:03:15: Frau Piepenbrink untersucht mir Pilze auf Pflanzen, also haben wir Pflanzen reingeholt, Blätter wo kleine Pilzchen drauf sind und Gräser zum Beispiel Und die haben wir dann unter Mikroskop angeschaut und dadurch habe ich festgestellt dass diese Strukturen mich wahnsinnig faszinieren Und da bin ich ziemlich mehr in die Materie eingestiegen, weil das so spannend ist.
00:03:49: Also vieles können wir gar nicht mit dem Auge erfassen was eigentlich in der ganzen Welt oder in der Natur unsichtbar ist.
00:04:00: Das hat mich sozusagen angefixst.
00:04:05: Du arbeitest mit einem Material dass wächst sich verändert und teilweise unkontrollierbar ist.
00:04:12: Wie viel gibst du ab und wo setzt du ganz bewusst deine künstlerische Entscheidung?
00:04:20: Also der Vorgang zu meiner Arbeit ist so, dass ich erstmal verschiedene Pilzarten erforsche um festzustellen welche Materialien überhaupt entstehen können oder auch welche Farben entstehen könnten.
00:04:37: Und wenn ich das dann weiß, Materie oder mit dem Material viel genauer arbeiten.
00:04:48: Dann kann ich auch viel abgeben, weil ich dann spüre wie ist der Verlauf?
00:04:56: und das ist auch das Spannende dabei dass man sozusagen nicht alles kontrollieren muss.
00:05:05: In deiner Ausstellung verschwimmen die Grenzen zwischen Natur und Kunst.
00:05:10: Würdest du sagen Du arbeitest mit den Pilzen?
00:05:12: Oder eher durch sie.
00:05:15: Also die Pilzwelt inspiriert mich zu neuen Formen und Strukturen, zum Beispiel wie das Mykorrhiza-Geflecht.
00:05:27: Wenn ich manchmal im Wald gehe und da ist dann ein Pilz bei mir wächst zum Beispiel Leuco Cortinarius bulbiga Und wenn man die oberste Erde so ein bisschen weg schiebt dann sieht man richtig das Mikoritzer-Geflecht.
00:05:48: Und solche Dinge inspirieren mich unheimlich, aber auch zum Beispiel beim Mikroskopieren sieht man auch Sporenformen und die Sporen sind oft farbig, also pigmentiert oder haben verschiedene Strukturen, verschiedene Formen Synthetiert und so weiter.
00:06:14: Das alles inspiriert mich.
00:06:17: Deine Werke entstehen aus handgeschöpften Papier, aus Pilzen.
00:06:21: Was fasziniert dich an diesem Prozess so sehr?
00:06:24: Dass du ihm immer wieder vertraust?
00:06:28: Also Papierschöpfen ist eine sehr meditative Arbeit oder eine sehr Meditative Welt.
00:06:37: Allein schon egal welches Material ob man jetzt pflanzen oder Recyclingpapier verwendet, lustigerweise mal zum Beispiel Schneuztücher.
00:06:53: Die habe ich dann mit kochendem Wasser überprüht und gewaschen und dann habe ich jetzt eine Prüper hergestellt und dann Papier geschöpft.
00:07:01: also es gibt so vieles was man ausprobieren kann aber natürlich ist das in der Natur noch spannender weil in der natur kann man verschiedene Strukturen finden und dadurch, also durch diese Arbeit der Schöpfen
00:07:19: usw.,
00:07:20: das taucht man ganz tief in eine Ruhe ein.
00:07:23: Und das fasziniert mich!
00:07:26: Wenn man deine Arbeiten anschaut, wirken sie manchmal fragil und gleichzeitig sehr kraftvoll.
00:07:32: Spiegelt das auch deine Eigenhaltung zu Natur wieder?
00:07:36: Ja, genau.
00:07:37: Die Natur ist für mich eine faszinierende Verknüpfung aller Lebewesen – eine Welt die es ermöglicht ständig neue Entdeckungen zu machen wie zum Beispiel auch Geröche, Lichtreflexe, Geräusche, Farbenformen... Also es ist für alle Sinne was dabei und das ist vielleicht auch das Interessante
00:08:06: Du wurdest mit dem Gold ETA Award ausgezeichnet.
00:08:10: Hat diese Anerkennung etwas an deinem Blick auf deine eigene Arbeit verändert oder eher bestätigt?
00:08:17: Das war eine große Ehre, muss ich sagen!
00:08:20: Ich war ja da in Bozen und habe letztes Jahr dort ausgestellt.
00:08:25: Man muss sich das vorstellen... Das Schloss Maritz ist ein ganz tolles altes Gebäude ist mit einem Glasdach bedeckt.
00:08:38: Und in dem Innenhof sollte ich verschiedene Bahnen aufhängen und ich habe sehr große Bahnen, die drei Meter lang waren also acht Stück.
00:08:52: dort haben wir dann aufgehängt und die hingen dann so runter wie so Mücker Ritzer Geflächte.
00:08:59: Dann hatte ich noch zwei alte Räume wo ich verschiedenes ausstellen konnte auch gefärbte Wolle, zum Beispiel aber auch viele Papierarbeiten.
00:09:10: Auch ein Papierkleid und die Leute, die dort dann kamen zum Besuch haben mir immer das Feedback gegeben dass sie so etwas noch nie gesehen haben und dass sie das total faszinieren finden was ich gestalte Und ich habe mich sehr darüber gefreut.
00:09:32: diese ETA-Awart war für mich, also ist immer noch eine große Freude und dadurch... ich weiß auch nicht.
00:09:44: Also wenn man eine Bestätigung bekommt dass den Menschen die Arbeit gefällt das treibt einen natürlich an und motiviert einen weiter zu machen Auch wenn es manchmal vielleicht schwierig ist Und man hat auch das Gefühl Man kann sich kann vielleicht noch besser werden oder mehr rausholen.
00:10:13: Das ist auch ein Geschenk, dass die Menschen einen schätzen.
00:10:33: Ich würde mir gerne wünschen, dass die Menschen sich in der Natur mehr Zeit lassen.
00:10:39: Mehr Zeit zum Hinschauen, mehr Zeit um die Dinge wahrzunehmen, mehr zeit um zu entdecken und vielleicht das ganze auch mit ihren Kindern weil es so eine große Freude sein kann wenn man zb Irgendwas entdeckt, was man noch nie gesehen hat.
00:11:04: Das ist viel schöner wie irgendwelche Besitztümer.
00:11:09: Die Natur hat so viele schöne Strukturen und Farben und Geröche... das würde ich mir wünschen
00:11:16: dass die Menschen einfach mehr das entdecken.
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