Folge 2_Marc Christian
Shownotes
zu Marc Christian - https://meatingraum.de/ zum Buch - https://www.deutscherkunstverlag.de/de/books/9783422803299 Zur Ausstellung - https://cafedotkom.com/kunstessen-ausstellung/ Zum CafédotKom - https://cafedotkom.com/
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00:00:01: kaffee.com Gespräche über Kunst.
00:00:06: Hallo, ich bin es das Kaffee.com Ein Café und zugleich Kunstraum.
00:00:13: Vielleicht kennst du mich ja schon?
00:00:15: Vom Kaffee holen, vom Blick in den Hof oder von einem stillen Moment vor einem Bild an der Wand.
00:00:23: Ich bin ein Ort, an dem man auf einen Kaffe hereinkommt und plötzlich zwischen Kunstwerken steht.
00:00:30: Manche meiner Gäste bleiben kurz andere länger.
00:00:34: Manche schauen bewusst, andere eher nebenbei und genau das mag ich in meinem Raum wechseln die Ausstellung.
00:00:44: mit jeder neuen Position verändert sich etwas Die Stimmung, die Gespräche der Blick auf die Wände.
00:00:52: hier hängen Arbeiten von Künstlerinnen mit ganz unterschiedlichen Haltungen Fragen und Perspektiven Und oft passiert dabei etwas.
00:01:02: man sieht ein Werk spürt dass da mehr ist Aber nicht alles erschließt sich sofort.
00:01:08: Zwischen dem, was ihr hängt und dem, wanns die Künstlerinnen dabei gedacht, gefühlt oder vielleicht auch verwurfen haben entsteht manchmal eine kleine Lücke – nicht aus Absicht sondern weil Kunst nicht alles auf einmal preisgibt!
00:01:25: Genau hier sitzt dieser Podcast an café.com Gespräche über Kunst ist eine Einladung diese Lücke gemeinsam zu schließen.
00:01:36: keine Vorlesungen Keine Theorie.
00:01:39: Er ein langsamer Rundgang, so wie man ihn bei einer Venisage macht.
00:01:44: Man bleibt stehen, stellt Fragen, hört zu!
00:01:48: Ich spreche mit den KünstlerInnen über ihre Arbeiten, über Prozesse, Zweifel, Entscheidungen und Umwege – über das was Sicht weist und über das, was man nicht sofort sieht.
00:02:01: Die Fragen orientieren sich an der Ausstellung lassen
00:02:04: aber Raum
00:02:05: für Abschweifungen Geschichten und Gedanken die sonst vielleicht verloren gehen würden.
00:02:11: Dieser Podcast ist für alle, die wegen des Cafés kommen und wegen der Kunst bleiben.
00:02:17: Für Neugierige?
00:02:18: Für Kunstinteressierte!
00:02:20: Und für jene, die sich einfach einen persönlichen Zubang wünschen.
00:02:26: Schön dass du da bist.
00:02:28: Lass uns gemeinsam eine Runde durch die Ausstellung drehen.
00:02:33: Heute bin ich mit Marc Christian hier im café.com dass große Werke der Kunstgeschichte in Gerichte übersetzt und so neue Zugänge zur Kunst schafft.
00:02:50: Hallo Marc!
00:02:52: Das Projekt bewegt sich zwischen Kunstgeschichten, Fotografie und Kochen.
00:02:57: Wie hat sich deine eigene Rolle darin entwickelt?
00:02:59: Vom ersten Gedanken bis zu dem was wir hier heute sehen.
00:03:04: Also das Ganze war von vornherein als sehr integratives Kunstgruppenprojekt gedacht wo eigentlich jeder an allem irgendwie ein bisschen arbeitet.
00:03:17: also meine zentrale rolle war das entwickeln der gerichte.
00:03:21: Als ich zu dem projekt dazu kam waren die ersten zehn bilder schon ausgewählt und es gab Rezeptversuche Und zwei fotos zu den.
00:03:31: zu den ersten.
00:03:33: da habe ich dann die rezepte zuerst überarbeitet Und für alle weiteren Bilder habe ich dann die Rezepte von Grund aufgeschrieben und auch bei der Bildkomposition mitgearbeitet.
00:03:45: Bei den letzten fünf Bildern haben wir gemeinsam ausgesucht, deutlich noch integrativer miteinander gearbeitet.
00:03:53: Zum Schluss war das so... Ich hab von Anfang an die Rezepte beigesteuert Die Schlussfotos, die auch jetzt hier im Café an der Wand hängen.
00:04:05: Die haben wir gemeinsam entwickelt, gemeinsam komponiert und Simon unser Fotograf war für die technische Ausführung und für die künstlerische Beratung zuständig weil er halt ein unfassbar gutes Auge hat so das künstlärische E-Tüpfelchen dann auf die gemeinsamen Ideen des Fotos
00:04:24: gebracht.
00:04:30: Was war für dich persönlich der Moment, in dem klar wurde das kann funktionieren.
00:04:35: Kunst wirklich essbar zu machen?
00:04:38: Also gab es keinen bestimmten Moment.
00:04:40: Für mich war als ich das erste mal davon gehört habe klar dass das super funktioniert.
00:04:44: Ich denke ohnehin bei ungefähr allem was sich sehe an Essen und bei Kunst noch mehr und gerade bei Bildern die Essen zeigen hat sich überhaupt gar keine... Ja also war für mich irgendwie ganz naheliegend dass das funktioniert.
00:04:58: zunächst ausgewählt waren, die wir dann auch gemeinsam ausgesucht haben.
00:05:02: Die sind so prädestiniert dafür gekocht zu werden.
00:05:06: Da gab es überhaupt gar keinen Zweifel dass das funktioniert.
00:05:09: und ja wirklich essbar zu machen man kann alles essbar machen und ich finde alles kann die Inspiration für ein Gericht sein und bei einem Bild des Essen zeigt ist das besonders einfach.
00:05:22: also das war von vornherein klar dass das
00:05:25: Wenn man durch die Ausstellung geht, begegnet man den Gerichten zunächst als Bild.
00:05:30: Wie wichtig ist diese fotografische Ebene für eure Arbeit?
00:05:34: Ist die Dokumentation oder schon ein eigenes Kunstwerk?
00:05:38: Also für uns war ganz klar das Essensfoto... Das arrangierte Gericht isst ein eigener Kunstwerk und es deutlich mehr als ganz einfache Foodphotografie.
00:05:51: also wir wollten ganz gezielt Die Gerichte so anrichten, dass es ein eigenes Kunstwerk ist und nicht einfach nur einen Serviervorschlag.
00:06:01: Also das soll das Gegenteil sein von einem Servier-Vorschlag sondern eine komplette Neuinzzenierung von Kunst.
00:06:10: Und die ist eben inspiriert aus nem ursprünglichen Kunstwerk.
00:06:14: So könnte man's wahrscheinlich sagen.
00:06:16: Eure Arbeiten wirken oft sehr leicht und humorvoll.
00:06:19: Gleichzeitig steckt viel Recherche und Präzision dahinter.
00:06:24: Wie sieht dieser Arbeitsprozess tatsächlich aus?
00:06:27: Ja, also wie das ja oft so ist.
00:06:30: Gerade Humor macht tatsächlich ziemlich viel Arbeit und in dem Recherche-Prozess zu der kunstgeschichtlichen Einordnung des Originalbildes steckt tatsächlich jede Menge Arbeit und Recherchen.
00:06:42: Nun sind Inka und Philipp zwei der Künstler in diesem Autoren Kunstkollektiv von Hause aus Kaparitisten Und die haben sich in diese Bildtexte zu den Originalen reingefuchst und auch wirklich intensiv in die Kunstgeschichte rein recherchiert.
00:07:01: Und dadurch so einen ersten ja, kunstgeschichtlich humorvollen Text zum Originalbild geschrieben.
00:07:08: auf der Basis von diesem kunst geschichtlichen Text und dem Originalfoto habe ich dann die Rezepte entwickelt und hab mich da einfach leiten lassen von dem wie mich das Bild inspiriert und der Text Und weiterhin ein bisschen in die Zeit, aus dem das Gemäldestamt rein recherchiert.
00:07:27: Also damit es so locker-flockig rüber kommt gab's schon jede Menge Vorarbeit.
00:07:32: Wenn du einen Gemäle in ein Gericht übersetzt wo fängst du an?
00:07:37: Ist es eher Farbe Stimmung Komposition oder schon eine konkrete Zutat?
00:07:44: Also das kommt tatsächlich ganz drauf an.
00:07:47: Manchmal ist es Farbe, manchmal ist es ein konkretes Produkt, dass verwendet wird und manchmal ist die Stimmung.
00:07:53: Das ist immer das was mich als erstes catcht.
00:07:56: Es folgt aber keine Regel oder ist bei jedem Bild gleich sondern es kommt immer auf das ursprüngliche Bild an.
00:08:04: Mein Ziel war immer das, was ich in dem Bild sehe und fühle in irgendeiner Form erlebbar zu machen.
00:08:11: also klassisches Bild.
00:08:13: Was mir dafür einfällt, sind vielleicht die Ricotta-Esser.
00:08:16: Übrigens als der hässlichsten Bilder das ich jemals gesehen habe.
00:08:19: aber es ist ein Bild... dass einen anspringt.
00:08:23: man kann auch irgendwie nicht wegschauen.
00:08:24: Es ist im Bild wie ein Verkehrsunfall.
00:08:27: irgendwas ist da drin nicht richtig und dieses Nicht Richtig kommt in den Mal Fatti.
00:08:32: also direkt übersetzen dem falsch gemacht wunderbar zum Ausdruck.
00:08:36: Also hat auch eine subtile Ebene Und so subtilen Ebenen hab' ich ganz gern gesucht Und habe vielleicht auch versucht, Dinge in dem Bild schmeckbar zu machen die man nicht direkt sieht.
00:08:49: Die so ein bisschen in der zweiten Ebene liegen.
00:08:52: Es kommt immer ganz drauf an.
00:08:53: Es folgt keinem ümergleichen Muster bei den Bildern.
00:08:59: Gibt es einen Gericht aus dem Projekt das für dich besonders gut funktioniert hat?
00:09:03: Oder vielleicht auch eines dass überraschend schwierig war?
00:09:07: Also ich fand es überraschend, dass sich in keinem Bild schwierig fand da ein Gericht raus zu entwickeln.
00:09:13: Das hat wunderbar funktioniert und ich glaube das kann man durch die gesamte Kunstgeschichte machen.
00:09:19: Es müssen also gar nicht zwingend Bilder sein, die direkt irgendwas mit Essen zu tun haben sondern auch moderne Malerei oder auch diese Rotko-Bilder, die einfach nur flächig sind könnte man ganz einfach und spannend in Rezept übersetzen.
00:09:33: Ich finde, man findet ja überall eine kulinarische Ebene drin.
00:09:37: Das fand ich also überhaupt gar nicht schwierig da was raus zu ziehen.
00:09:41: Also welches Bild mich besonders bewegt hat und was sich auch so in der Evolution von dem Gericht total spannend fand ist eigentlich das Simpelste.
00:09:49: Das ist die Milchkanne, der Vermeer.
00:09:52: Die Milchmarkt von Vermehr.
00:09:55: Daraus haben wir einfach Brot und Butter gemacht fand ich mega spannend, vor allem weil das Bild da drin auch so vielfältig geworden ist in der Deutung.
00:10:05: Also es ist ein Milchsee indem man das so lesen könnte als würde einen aus Buttermilch gemachtes Brot Schiffbruch erleiden.
00:10:17: also ich fand das unfassbar spannend.
00:10:20: was aus dieser Grundidee Brot und Butter dann in der späteren Komposition des Bildes geworden ist.
00:10:27: Aber so finde ich halt eigentlich jedes Gemälde, das da drinnen übersetzt wurde.
00:10:31: Eine ganz eigene Faszination und eine ganz eigene Spannung.
00:10:35: Und ich fand es immer je weiter wir uns eigentlich von dem Originalbild verabschiedet haben und je abstrakter das Ganze dann in der Installierung wurde umso spannender fand ich's.
00:10:47: Hier im Raum treffen Menschen auf die Arbeiten oft ganz beiläufig Beim Café, im Gespräch.
00:10:53: Was glaubst du?
00:10:55: verändert sich der Zugang zur Kunst, wenn man sie auch schmecken kann?
00:10:59: Also ganz klar.
00:11:01: Weil das ist bei unserem Buch ja auch gewollt dass das Ganze eine künstlerisch-sindliche Erfahrung auf unterschiedlichen Ebenen ist und also die Idee erschließt sich glaube ich erst dann wenn man es dann auch schmeckt und nicht einfach nur Essen anschaut.
00:11:19: Ich finde Essen anschauen immer nur bis zu einem gewissen Grad befriedigend, Essen ist ja Essen damit man es ist.
00:11:27: Ich glaube dadurch dass man das Kunstwerk verspeist und hört was wir über das Original zu sagen haben und vielleicht so ein paar Gedanken zu dem endgültigen Foto.
00:11:38: Das ist das komplette Kunsterlebnis des Buchs.
00:11:52: Ein Teil der Gerichte verlässt das Bild und wird real erfahrbar.
00:11:57: Was verändert sich für dich, wenn deine Arbeit plötzlich gegessen wird?
00:12:02: Für mich kommt dann einfach eine sinnliche Erlebnis-Ebene dazu.
00:12:06: Man sieht das Originalbild... Ich mache es bei den Menüs immer so, dass ich auch ein bisschen was über das Original-Bild erzähle und versuche so ein bisschen meine Ideen zu dem Gericht zu beschreiben Und dann kommt halt tatsächlich die Geschmacksebene dazu.
00:12:22: Man hat das Basisbild als sinnlichen Eindruck, man hat das Bild was für das Kochbuch zu Hause nicht mögliche Foodfotografie daraus geworden ist und man erlebt es dann auch noch im Geschmacksinn.
00:12:37: dich also ich finde viel kompletter kann ein Kunsterlebnis eigentlich nicht sein.
00:12:42: Für mich ist das so ja komplettes Kunsterleben auf allen Sinnlichen Ebenen.
00:12:48: Das war ein Einblick in Kunstessen hier im Café.com.
00:12:53: Vielleicht bleibt ein Bild, vielleicht ein Geschmack oder einfach die Idee das Kunst nicht nur an der Wand stattfindet sondern auch auf dem Teller im Gespräch im eigenen Erleben.
00:13:06: Die Arbeiten begleiten den Raum noch eine Weile und vielleicht verändert sich der Blick mit jedem Besuch ein kleines Stück.
00:13:14: Ich bin hier Und wenn du wieder durch den Hof kommst weißt du, dass du jederzeit willkommen bist.
00:13:22: Deincafé.com.
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